
Als ich eben mit meinen zweitausend uralten Ordnern aus der SPA Ausbildung auf dem Bett saß, weil ich ein paar Ideen suchte, fand ich viele, tolle Sachen wieder, die bei mir schon ganz in Vergessenheit geraten waren. In der Vergangenheit rumblättern ist doch echt das Beste, was es gibt :D Vor allem über die Fotos konnte ich mich köstlich amüsieren. Um gottes Willen xD ABER was ich eigentlich posten möchte, ist ein Text (den ich von einer Lehrerin in meinem Grundschulpraktikum vor drei Jahren bekommen habe) mit dem Namen "Die Legende von der Erschaffung der Erzieherin." Der zum einen zwar einen doofen Titel hat, weil der Autor dieser Zeilen - wie so oft - so getan hat, als gäbe es nur weibliche Wesen in unserem Beruf ... und zweitens sich leider sehr auf die Arbeit im Kindergarten beschränkt! Und wenn wir Erzieher eines hassen, dann diesen Stempel KINDERGÄRTNER! Trotzdem fand ich den Text einfach schön und da ich momentan ja nun einmal tatsächlich für ein paar Wochen die Kindergartenerzieherin bin, habe ich jetzt einfach mal Lust die Worte in meinem Blog zu verewigen :]
Legende von der Erschaffung der Erzieherin
Als der liebe Gott die Erzieherin schuf, machte er bereits den sechsten Tag Überstunden. Da erschien der Engel und sagte: "Herr, Ihr baselt aber lange an dieser Figur." Der liebe Gott sprach: "Hast du die speziellen Wünsche auf der Bestellung gesehen? Sie soll pflegeleicht, aber nicht aus Plastik sein; sie soll 160 bewegliche Teile haben; sie soll Nerven wie Drahtseile haben und einen Schoß, auf dem zehn Kinder gleichzeitig sitzen können und trotzdem muss sie auf einem Kinderstuhl Platz haben. Sie soll einen Rücken haben, auf dem sich alles abladen lässt; und sie soll in einer überwiegend gebückten Haltung leben können. Ihr Zuspruch soll alles heilen, von der Beule bis zum Seelenschmerz; sie soll sechs paar Hände haben."
Da schüttelte der Engel den Kopf und sagte: "Sechs Paar Hände, das wird kaum gehen!" ... "Die Hände machen mir keine Kopfschmerzen", sagte der liebe Gott, "aber die drei Paar Augen, die eine Erzieherin haben muss." ... "Gehören die zum Standardmodell?", fragte der Engel. Der liebe Gott nickte: "Ein Paar, das durch geschlossene Türen blickt, während sie fragt: Was macht ihr da drüben? - obwohl sie es längst weiß. Ein zweites Paar im Hinterkopf, mit dem sie sieht, was sie nicht sehen soll, aber wissen muss. Und natürlich noch die zwei Augen hier vorn, aus denen sie ein Kind ansehen kann, das sich unmöglich benimmt, und die trotzdem sagen: Ich verstehe dich und habe dich sehr lieb - ohne dass sie ein einziges Wort spricht."
"Oh Herr!", sagte der Engel und zupfte ihn leise am Ärmel: "Geht schlafen und macht morgen weiter." ... "Ich kann nicht!", sagte der liebe Gott, "denn ich bin nahe dran, etwas zu schaffen, das mir einigermaßen ähnelt. Ich habe bereits geschafft, dass sie sich selbst heilt, wenn sie krank ist; dass sie 25 Kinder mit einem winzigen Geburtstagskuchen zufriedenstellt; dass sie eine sechsjährige dazu bringen kann, sich vor dem Essen die Hände zu waschen; einen Dreijährigen davon überzeugt, dass Knete nicht essbar ist und übermitteln kann, dass Füße überwiegend zum Laufen und nicht zum Treten von mir gedacht waren."
Der Engel ging langsam um das Modell der Erzieherin herum. "Zu weich", seufzte er. "Aber zäh", sagte der liebe Gott energisch. "Du glaubst gar nicht, was diese Erzieherin alles leisten und aushalten kann." ... "Kann sie denken?" ... "Nicht nur denken, sondern sogar urteilen und Kompromisse schließen", sagte der liebe Gott, "und vergessen!" Schließlich beugte sich der Engel vor und fuhr mit dem Finger über die Wange des Modells. "Da ist ein Leck!", sagte er. "Ich habe Euch ja gesagt, Ihr versucht, zuviel in das Modell hineinzupacken." ... "Das ist kein Leck!", sagte der liebe Gott, "das ist eine Träne!" ... "Wofür ist sie?" ... "Sie fließt bei Freude, Trauer, Enttäuschung, Schmerz und Verlassenheit." ... "Ihr seid ein Genie", sagte der Engel.
Da blickte der liebe Gott versonnen: "Die Träne...", sagte er. "... Die Träne ist das Überlaufventil."
[H. Wenke]
Euer Jennylein ♥