Irgendwie bin ich gerade schon wieder sehr nachdenklich und da gibt es was, was mich in den letzten Wochen ganz besonders doll beschäftigt und zum Teil auch sehr traurig stimmt. Nämlich die Erkenntnis, dass alles im Leben sich verändert. Immer wieder. Und dass man ständig wieder an so einen Punkt kommt, an dem man sich fragt "Wohin sind diese Zeiten denn nur?"
So kurz vor meinem Halbjahrespraktikum denke ich ganz viel an mein vorheriges zurück. Das im Kinderschutzhaus. Das waren drei Monate, in denen ich oft zu hause saß und geweint habe, weil ich mit dem, was ich da gesehen habe, anfangs irgendwie nicht klarkam. Aber das waren auch drei Monate, in denen ich so viel Erfahrungen wie noch nie machen durfte. In denen ich wundervolle Jugendliche kennengelernt habe. Und die nicht selten an unseren Nerven zerrten :) Aber man hat auch gelernt sie so richtig gern zu haben. Neulich kam mir ein Abschiedssatz in den Kopf, den eine 17jährige mir gesagt hat, bevor sie entgültig in die Kinder- und Jugendpsychiatrie eingewiesen wurde und uns deshalb verlassen musste - und die wirklich alles andere als einfach war. Gott, wie oft hab ich mir nächtelang Gedanken um sie gemacht. "Frau Fries", sagte sie. "Sie sind die tollste Erzieherin der Welt. Und ich bin ja eigentlich nicht nett zu euch Betreuerklugscheißern. Aber Sie sind anders. Das war so witzig mit Ihnen. Naja, Sie konnten auch voll streng sein. Das war nervig. Aber meistens hat es voll Spaß gemacht! Und ich vergesse das nie, was Sie hier für uns alle getan haben. So jemanden wie Sie, will ich als große Schwester haben. Das wäre cool." :')
Das war Ende letzten Jahres. Ich glaub noch keine Arbeit vorher hat mich so erfüllt wie diese. Und noch kein Team war so perfekt in der Besetzung, wie das im KiSch. Alles war so ... schön, obwohl es äußerlich viel schreckliches gab ...
Und heute sitze ich hier und weiß bei den meisten nicht einmal, was aus ihnen geworden ist. Oder ... ist überhaupt noch etwas aus ihnen geworden? :( Und das tolle Team gibt es auch nicht mehr so. Von sechs Leuten: Zwei weg, einer nur noch wenige Stunden da, weil er in Hamburg ein eigenes Café eröffnet hat, meine Anleiterin nun verheiratet und wartet darauf, dass sie sich ihren Kinderwunsch erfüllen kann, einer weggezogen ... Und das innerhalb eines halben Jahres! Klar. Bestimmt geht es allen von ihnen gut. Aber wenn ich so etwas mitbekomme, frage ich mich: Muss das denn IMMER sein im Leben? Dass man einen Lebensabschnitt hat, den man irgendwann nur noch in Erinnerung behält und wenn man zurückkehrt, dann ist es nie so, wie es mal war!? Man vermisst diese Zeit so, aber weiß, dass man niemals dahin zurück kann. Nicht richtig.
Dasselbe Phänomen gibt es auch in der Freundschaft. Bei Menschen. Ich weiß ja, dass Veränderungen zum Leben dazugehören. Es wäre doch auch langweilig, wenn es nicht so wäre. Nur wenn ich manchmal sehe, wie jemand noch vor zwei Jahren war und das mit HEUTE vergleiche ... Dann stehen mir schon wieder die Tränen in den Augen. ICH bin auch nicht mehr dieselbe Jenny wie vor ein paar Jahren, aber bei einigen Menschen ist das eher schade, als verständlich. Veränderung hat auch immer etwas mit Verlust zu tun. Und mit etwas Neuem, ja. Aber egal, ob bei der Arbeit oder in einer Freundschaft oder bei was auch immer ... Jedes Mal ist ein Stück Herz, ein Lebensabschnitt, nur noch eine Erinnerung. Denn genauso wenig, wie ich die Zeit im KiSch SO wiederhaben könnte, kann ich Menschen wiederhaben, die mal anders waren. Und das macht manchmal traurig. Aber um nicht NUR pessimistisch zu klingen, ergänze ich jetzt noch mal:
Wenn sich eine Tür
schließt,
dann öffnet sich eine andere;
aber wir schauen meist so lange und
so bedauernd auf die geschlossene Tür,
dass wir die, die sich für uns öffnet, nicht sehen.
dann öffnet sich eine andere;
aber wir schauen meist so lange und
so bedauernd auf die geschlossene Tür,
dass wir die, die sich für uns öffnet, nicht sehen.
Dieses Zitat beinhaltet sehr viel Wahres ...
Und hier noch ein Song, der mir sehr am Herzen liegt und einfach passt:
In dem Sinne ...
Euer Jennylein ♥

Ach mein Jennylein.
AntwortenLöschenIch habe gelernt, dass man sich jeden Tag verändert und das auch tun sollte. Dass, wie du auch sagst, die Veränderung zum Leben dazugehört. Und dass es langweilig wäre, wenn wir (und auch das Leben sich) uns nicht veränderten.
Und auch, wenn es wirklich traurig ist, wie manches oder manche sich entwickeln (zumindest aus deiner Sicht oder aus meiner Sicht), kann ich dir sicher sagen, dass du es 1. nicht aufhalten kannst und es 2. noch so viele Dinge im Leben gibt, die sich gut verändern.
Es ist interessant, wie du und ich mal wieder ähnliche Dinge erleben, denn auch ich habe letztens wieder an mein erstes Praktikum gedacht, Bilder angeschaut und überlegt, was wohl aus den Behinderten in der WfbM geworden ist. Dann fallen einem so kleine Dinge wieder ein, wie zum Beispiel, wie traurig es mich damals gemacht hat, wie H. mit seinem kleinen Rucksack allein zur Bahn läuft. (Betonung auf "wie"). Und ich denke: "Das hat sich bestimmt nicht verändert."
Aber um nochmal auf die gute Veränderung zurückzukommen: DU bist eine meiner tollsten Veränderungen des letzten halben Jahres. Nicht jeder findet seinen Seelenzwilling, schon gar nicht mit Anfang 20. Aber wir haben uns gefunden, auf wunderbar magische Weise, und bald kommst du wieder zu mir und auch das wird dich (und mich!) wieder verändern. Dann kennst du Leipzig und unseren Garten, du lernst Lisa und Pit und all die anderen kennen und wir werden einfach einen tollen Abend haben, der hoffentlich immer im Gedächtnis hängen bleibt.
Was ich dir eigentlich sagen will ist: Nicht jede Veränderung ist schlecht. Du bist toll. Ich hab dich unglaublich doll lieb. (Und heule schon wieder, während ich das schreibe, haha.)
Ich sag immer: Bleib, wie du bist, aber verändere dich jeden Tag!
♥
(Und jetzt verrat mir mal, wo du gestern den ganzen Tag warst, ich wollte dir sagen, dass ich nicht sauer bin, aber mein Handy hat noch kein Guthaben...)
Hey, Schwesterherz :)
AntwortenLöschenSolche Gedanken kenne ich nur zu gut. Es stimmt mich traurig, wenn ich an alte Zeiten zurück denke. Doch es gibt gutes, es gibt schlechtes. Und das schöne ist, dass Erinnerungen uns nicht genommen werden können. Sie gehören uns!
An dieser Stelle weise ich auf 'If today was your last day' von Nickelback hin, sehr schöner Song.
Leider kommt es vor, dass sich gerade die Menschen, die uns viel bedeuten, verändern und das teils zum Negativen. Aber im Laufe der Jahre erkennt man dadurch auch, wer Freund und wer Feind ist.
Veränderungen gehören zum Leben. Auch, wenn ich sie nicht immer willkommen heiße. Doch ich halte mir stets vor Augen, dass ich die Vergangenheit ruhen lassen muss, um im Hier und Jetzt anzukommen. Denn tue ich das nicht, werde ich in Zukunft auf die Gegenwart zurückblicken, in der ich mich quasi verschlossen habe, weil ich zu sehr mit dem was war beschäftigt habe. Ich hoffe, du konntest mir gerad' folgen :D
Wir schaffen das.
Alles Liebe